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Was genau ist MTT?

Was genau ist MTT?

Die Abkürzung MTT steht für die medizinische Trainingstherapie. Es handelt sich dabei um ein spezielles Training mit Geräten, das bei der Therapie von Beeinträchtigungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates eingesetzt wird.

Es soll die allgemeine und besondere Belastungs- und Leistungsfähigkeit des Körpers steigern. Das Training soll die Gelenke stabilisieren und die betroffenen Körperregionen rehabilitieren. Die gezielte Steigerungen des Trainingsvolumens bereitet den Körper des Patienten auf die täglichen Belastungen vor. Dieser zeigt sich ihnen dadurch besser gewachsen.

Bei welchen Indikationen wird MTT angewandt und bei welchen nicht?

Die medizinische Trainingstherapie kann bei verschiedenen Erkrankungen und Beeinträchtigungen zum Einsatz kommen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • chronisches Erschöpfungssyndrom
  • neurologische Erkrankungen wie Parkinson, MS, Schlaganfall
  • Krebserkrankungen
  • psychologische Erkrankungen wie ADHS, Depression, Autismus
  • vaskuläre Erkrankungen wie arterielle Hypertonie
  • Muskelaufbau nach Unfällen oder zur orthopädischen Unterstützung

Es gibt aber auch Kontraindikationen, bei denen ein MTT nicht eingesetzt werden sollte. Dazu gehören unter anderem:

  • Herzinsuffizienz
  • akute und chronische Infektionen
  • Entzündungen

Wie genau funktioniert die medizinische Trainingstherapie?

Bevor es mit dem eigentlichen Training losgehen kann, ist ein individueller Therapieplan zu erstellen. Diesen stimmt der Therapeut auf die individuellen Fähigkeiten und Kenntnisse des Patienten ab und berücksichtigt dabei auch bestehende Erkrankungen und den aktuellen Befund.

Therapiepläne dürfen nur ausgebildete Physiotherapeuten mit entsprechender Zusatzqualifikation erstellen. Bestandteil des Therapieplanes ist zum Beispiel die maximale Belastbarkeit des Patienten. Im Rahmen der MTT werden vier Phasen unterschieden:

  1. Mobilisationstraining
  2. Stabilisationstraining
  3. Funktionstraining
  4. Belastungstraining

Die Inhalte der einzelnen Phasen

Im Rahmen des Mobilisationstrainings stehen Übungen für Kraft, Ausdauer und Koordination im Fokus. Sie werden ergänzt durch Übungen zur Wahrnehmung und durch Informationsweiterleitung aus der Peripherie. 

In der nächsten Phase geht es neben der weiteren Verbesserung von Kraft, Ausdauer, Koordination und Wahrnehmung um das Training für Haltung und Stabilität. In dieser Phase soll der Patient zunehmend Vertrauen in die eigene Ausdauer und Belastbarkeit gewinnen. 

In der dritten Phase, dem Funktionstraining, werden Reaktion und Koordination trainiert sowie Kraft und Ausdauer weiter verbessert. Hinzu kommen nun eine fundierte Bewegungsschulung und eine spezifische Verbesserung von Defiziten in der Funktion. 

In der letzten Phase werden die in den vorherigen Phasen antrainierten Eigenschaften auf spezielle berufliche und sportliche Fähigkeiten spezifiziert. Sie enthält Übungen für Schnelligkeit und Koordination und vervollständigt das Training von Ausdauer und Kraft.

Welches Ziel verfolgt die MTT?

Mit der medizinischen Trainingsmethode soll der Patient seine Fertigkeiten sowie seine Belastungs- und Leistungsfähigkeit zurückgewinnen, stabilisieren und verbessern. Durch das Training an spezifischen Geräten soll ein Mass funktionaler Stabilität erreicht werden. Diese Ziele werden insbesondere durch das spezielle Training von

  • allgemeiner körperlicher Ausdauer,
  • Flexibilität und Belastbarkeit,
  • Muskeln angeschlagener und auch nicht angeschlagener Körperregionen,
  • Schnelligkeit,
  • Gleichgewicht,
  • Haltung,
  • und Koordination

erreicht.

Die Geschichte der MTT und seine Stellung in der Medizin

Nachweislich kamen die Vorläufer der medizinischen Trainingstherapie bereits in der Antike zum Einsatz. Körperliches Training wurde danach zur Verbesserung der Auswirkungen von Lähmungen eingesetzt. Im 19. Jahrhundert wurden moderne Trainingsmethoden von Pehr Henrik Ling und Gustav Zander eingesetzt; letzterer gilt heute als Begründer der gerätegestützten Trainingstherapie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verfeinerte der deutsche Professor Friedrich Schmieder die Therapie als ganzheitliches Konzept mit der Grundlage von Körper und Geist als Einheit. Mit bewusster Bewegung, so lautete der Ansatz, sollten Körper und Geist wieder in Einklang gebracht werden.

Wer verordnet MTT, und wer trägt die Kosten?

MTT kommt bei unterschiedlichen Erkrankungen zum Einsatz. Dafür ist eine ärztliche Verordnung die Voraussetzung. Der Arzt verschreibt die medizinische Trainingstherapie nach Eingangsdiagnostik und Ermittlung der Ursache für die Erkrankung. In der Regel wird sie als Krankengymnastik an geeigneten Geräten durchgeführt.

Grundsätzlich sind bis zu drei Verordnungen möglich, die jeweils sechs Einheiten mit je 60 Minuten enthalten. Für eine Folgeverordnung ist eine erneute Untersuchung durch den Arzt notwendig. Wird auch bei Erreichen der Gesamtverordnungsgrenze keine Besserung erreicht, kann der Arzt eine weitere Verordnung als Ausnahme erstellen.

Die Krankenkasse muss dafür vorab eine Genehmigung erteilen. Grundsätzlich übernimmt die Krankenkasse die Kosten der Durchführung einer ärztlich verordneten MTT als Regelleistung. Kostenträger kann gegebenenfalls auch eine Rentenversicherung oder eine Unfallversicherung sein, sofern die Voraussetzungen der jeweiligen Versicherungsart gegeben sind.

Was ist der Unterschied zwischen medizinischer Trainingstherapie MTT und Fitnesstraining?

Die medizinische Trainingstherapie wird hauptsächlich bei Patienten und Personen im schlechten Allgemeinzustand angewendet, mit als Ziel gesund zu werden und die frühere Leistungsfähigkeit im Alltag und Sport wieder herzustellen. 

Fitness Training hingegen richtet sich vor allem auf gesunde Menschen mit dem Ziel den gesunden Zustand und die körperlichen Kondition zu stabilisieren oder zu verbessern. Bei Sportlern steht beim Fitnesstraining die Steigerung der Leistungsfähigkeit im Mittelpunkt.

Zusammengefasst ergeben sich folgende Unterschiede zwischen medizinischer Trainingstherapie MTT und Fitnesstraining:

MTT

Fitness

Zielgruppe: Patienten mit körperlichen Beschwerden und nach Operationen

Zielgruppe: Gesunde Menschen

Ziel: Heilungsprozess anregen, frühere Leistungsfähigkeit herstellen

Ziel: Gesundheit stabilisieren und körperliche Leistungsfähigkeit verbessern

Belastung: Training mit leichter bis mittlerer Intensität, angepasst auf die Belastbarkeit der betroffenen Regionen und Strukturen (z.B. Bänder, Sehne, Knorpel, Meniscus, Bandscheibe)

Belastung: schweres Training mit hoher Intensität angepasst auf die muskuläre Kraft und Ausdauer

Wiederholungen: Viele Wiederholungen (20-30) mit geringer Belastung

Wiederholungen: Wenige Wiederholungen (10-15) mit hoher Belastung

Instruktion und Kontrolle: Physiotherapeut

Instruktion und Kontrolle: Fitnesstrainer 

Welche Trainingsformen werden bei der MTT unterschieden?

Bei der medizinischen Trainingstherapie werden verschiedene Trainingsformen differenziert. Dabei stehen verschiedene Eigenschaften, Leistungen und Belastungen im Fokus, die je nach Ausgangs- und Zielsituation des Patienten trainiert werden sollen. Unterschieden werden die folgenden Trainingsformen:

  • Isokinetisches Training
  • Auxotonisches Training
  • Isometrisches Training
  • Training der Ausdauer
  • Training der Koordination

Was wird bei isokinetischen Training geübt?

Das isokinetische Training hat die Veränderung der Stellung der Gelenke und der Länge der Muskeln zum Ziel. Die Kraft, die die Muskeln zum Einsatz bringen, bleibt hingegen unverändert.

Welche Ziele hat das auxotonische Training in der MTT?

Das auxotonische Training als Bestandteil der medizinischen Trainingstherapie hat die Verbesserung der Muskelkraft, der Länge der Muskeln sowie der Stellung der Gelenke zum Inhalt.

Die Inhalte des isometrischen Trainings

Das isometrische Training ist ganz auf den Muskel ausgerichtet. Im Rahmen des Trainings wird der Muskel für einige Sekunden unter Spannung gesetzt beziehungsweise wird diese Spannung gehalten. Die Stellung der Gelenke und die Länge des Muskels sind davon nicht beeinflusst.

Welche Methoden nutzt die medizinische Trainingstherapie?

Hier stehen grundsätzlich zwei Methoden zur Auswahl, um die Ausdauer und damit die Belastungsfähigkeit zu verbessern: Intervalltraining und Dauerleistungstraining.

Das Koordinationstraining im Rahmen des MTT

Auch bei dieser Trainingsform stehen zwei Trainingsarten zur Auswahl: Mentales Koordinationstraining und sensomotorisches Training der Koordination. Beim mentalen Koordinationstraining geht es darum, sich Bewegungen vorzustellen. Im sensomotorischen Training nutzen Patienten Trainingsgeräte und führen Bewegungen tatsächlich aus.

Welche Geräte kommen bei einer MTT zum Einsatz?

Grundlage für die medizinische Trainingstherapie ist der Einsatz von Trainingsgeräten für die jeweilige spezifische Trainingstherapie. Hier werden die Therapien für:

  • Ausdauer
  • Isokinetik
  • Haltung
  • Gleichgewicht
  • Selbstvertrauen

unterschieden.

Die Trainingsgeräte für Ausdauer

Die Trainingsgeräte für Ausdauer

Im Rahmen der Trainingstherapie für die Verbesserung und Stabilisierung der Ausdauer, die als eine der wichtigsten Therapien in der MTT zählt, werden in der Regel Ergometer, Crosstrainer und Laufband eingesetzt. 

Es eignen sich alle Trainingsgeräte, die die Ausdauer wiederherstellen und steigern und dabei messen können. Die MTT hat dabei das Ziel, dass der Patient alltägliche Bewegungen ungehindert und schmerzfrei vollführen kann.

Eingesetzte Trainingsgeräte bei der Isokinetik

Bei der Isokinetik stehen die grossen Gelenke im Körper im Fokus. Dies sind insbesondere:

  • Knie
  • Ellenbogen
  • Hüfte
  • Handgelenk
  • Sprunggelenk
  • Schulter

Die Verletzungen und muskulären Defizite werden anhand einer isokinetischen Leistungsdiagnostik ermittelt. Dazu werden spezielle Testsysteme verwendet. Mit dem Moflex oder dem Biodes, also Zugvorrichtungen, werden die besten Ergebnisse erzielt. Sie zeigen, welche Gelenkwerte und Muskelkraft der jeweilige Patient aufweist.

Geräte für den Trainingsbereich Haltung

Bei dieser Trainingstherapie kommt vornehmlich der Schwingstab zum Einsatz. Insbesondere bei den Diagnosen Fehlhaltung und Haltungsschaden wird dieses Trainingsgerät verwendet. Ein Schwingstab ist ein Stab mit einer Länge von etwa 1,5 m, der an beiden Enden mit Gewichten beschwert ist.

Durch geübte Bewegungen mit der Hand wird der Stab zum Schwingen gebracht. Die dadurch ausgelösten Vibrationen erreichen auch tiefer liegende Muskeln im gesamten Oberkörper. Auf diese Weise entsteht ein schneller Wechsel aus Anspannung und Entlastung in den Muskelpartien.

Die Schwingungen eignen sich hervorragend für Schulter, Nacken und Rückenstrecker. Sie stärken und aktivieren die Wirbelsäule und wirken sich insgesamt verbessernd auf die gesamte Haltung aus. Dieses Trainingsgerät eignet sich auch sehr gut für die Verwendung zu Hause. Die Anwendung ist einfach und bereits nach kurzer Einweisung möglich.

Trainingsgeräte bei der MTT für das Gleichgewichtstraining

Für die Verbesserung des Balancesinnes werden häufig bewegliche Untergründe verwendet. Dies können ein Schwingfeldtrainer, eine Gelmatte oder eine Vibrationsplatte sein. Dadurch ist der Patient gezwungen, immer wieder das Gleichgewicht zu finden. Zusätzlich trainiert der Patient damit seine Beinmuskulatur.

Trainingsgeräte für mehr Selbstvertrauen

Erkrankungen können sich negativ auf das Selbstvertrauen auswirken. Deshalb gehört das Training des Selbstvertrauens auch in einen ganzheitlichen Trainingsplan im Rahmen der MTT. Infrage kommt hier zum Beispiel das therapeutische Klettern. 

Sprichwörtlich ist jeder erfolgreiche Schritt an der Kletterwand ein Pluspunkt für die Seele und damit für das Selbstvertrauen. Das Training an der Kletterwand kann Blockaden lösen und Vertrauen in den eigenen Bewegungsapparat aufbauen. 

Welche Therapeuten dürfen eine MTT durchführen?

Das Durchführen einer MTT erfordert eine zusätzliche Qualifikation des Therapeuten. Die Voraussetzung für eine Weiterbildung zum MTT-Therapeuten ist eine entsprechende Vorbildung. Diese wird bei folgenden Berufen angenommen:

  • Ärzte
  • Physiotherapeuten
  • Masseure
  • Gymnastiklehrer
  • Sportwissenschaftler mit Schwerpunkt Prävention

Eine Zusatzqualifikation vermittelt die erforderlichen theoretischen und praktischen Kenntnisse. Sie ermöglichen das Erstellen des individuellen Trainingsplans, der sich an der Erkrankung und den Kenntnissen und Fähigkeiten des Patienten orientiert.

Welche Zeit ist für MTT zu berücksichtigen?

Der Zeitaufwand zur Durchführung einer MTT hängt entscheidend vom individuellen Therapieplan ab. Häufig können die Übungen mit alltäglichen Beschäftigungen wie Fernsehen verbunden werden und erfordern damit nur wenig zeitlichen Aufwand. Oft reichen bis zu 90 Minuten Übungszeit pro Woche aus, um gute Ergebnisse zu erzielen. Zu beachten ist, dass die Übungen möglichst regelmässig ausgeübt werden.

Warum Regelmässigkeit ein Erfolgsfaktor beim MTT ist

Die regelmässige Durchführung der Übungen ist der entscheidende Faktor für den Erfolg der MTT. In der Theorie soll das Trainingsprogramm nicht nur zeitlich befristet ausgeübt werden, sondern bestenfalls ein ganzes Leben lang. Auf diese Weise kann der Patient seinen Bewegungsapparat regelmässig trainieren und so fit und belastbar halten.

Warum Kontrollen erforderlich sind

Zu Beginn und im Rahmen einer MTT sollten die Übungen des Patienten kontrolliert werden, um fehlerhafte Bewegungsabläufe zu erkennen und zu vermeiden. Diese Kontrollen können nach und nach in grösseren Zeitabständen erfolgen.

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