Rückenschmerzen – was hilft wirklich?

Rückenschmerzen – was hilft wirklich?

Stechen, Brennen, Drücken, Ziehen – Rückenschmerzen haben viele Gesichter. Eines aber haben sie gemeinsam: Sie mindern unsere Lebensqualität. Umso wichtiger ist die richtige Therapie. Doch was hilft wirklich gegen Rückenschmerzen?

Volksleiden Rückenschmerzen

Rückenschmerzen sind kein Einzelschicksal. Rund 80 % aller Erwachsenen leiden im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an Rückenschmerzen. Meist klingen die Beschwerden von selbst wieder ab. Gelegentlich aber werden sie zur Dauerbelastung. “Chronische Rückenschmerzen” lautet die gefürchtete Diagnose.

Auch Kinder sind nicht vor der Volkskrankheit gefeit. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts klagen auch immer mehr Minderjährige über Rückenschmerzen.

Rückenschmerzen – die häufigsten Ursachen

Zu wenig Bewegung

Unser Rücken ist für die Bewegungen gemacht. 10.000 Schritte pro Tag sollen wir ihm zuliebe zurücklegen. Die Realität aber sieht anders aus. Nur 7.000 Schritte täglich macht der Schweizer im Schnitt. Das ist unserer Kehrseite zu wenig. Sie lässt uns den Bewegungsmangel büssen. Die unangenehmen Folgen: Bewegungseinschränkungen, Schmerzen und Verspannungen. Doch weshalb braucht unser Körper eigentlich so viel Bewegung?

1. Wir brauchen den Auslauf für unsere Core-Muskulatur, besser bekannt als Rumpfmuskulatur. In gutem Fitnesszustand unterstützt sie unseren Rücken wie ein Korsett, verbessert unsere Haltung und vermeidet Rückenschmerzen. Gleichzeitig wirkt sie präventiv gegen Fehlhaltungen wie das Hohlkreuz oder den Rundrücken (Buckel).

2. Auch die Bandscheiben verzehren sich nach Bewegung. Wie flexible Gelkissen mit fester Hülle ruhen sie zwischen den einzelnen Wirbeln unserer Wirbelsäule. Setzen wir uns in Bewegung, werden sie zu kleinen Stossdämpfern. Sie ziehen sich leicht zusammen. Und genau diese Bewegung ist für einen starken Rücken wichtig. Sie fördert nicht nur die Nährstoffversorgung, Durchblutung und Zellneubildung, sondern auch die Elastizität unserer Wirbelsäule.

3. Wer seinem Körper Bewegung verwehrt, muss mit Verspannungen und Verhärtungen von Muskulatur und Faszien rechnen. Werden diese nicht rechtzeitig behandelt, können zusätzlich Schmerzen und Entzündungen auftreten.

Langes Sitzen

Sitzen hat einen neuen Spitznamen. Das “moderne Rauchen” nennen wir es im Volksmund – aus gutem Grund. Wer zu lange an den Stuhl gefesselt ist oder die falsche Sitzposition einnimmt, belastet seine Muskeln und Bandscheiben. Schon im Grundschulalter klagen die jungen Schüler über schmerzhafte Verspannungen im Rücken-, Schulter- und Nackenbereich.

Die falsche Belastung

Sitzen ist Gift für den Rücken, falsche Belastungen aber ebenso. Wer zu schwer hebt und trägt, zieht seine Kehrseite in Mitleidenschaft. Dasselbe gilt für Haltungsschäden wie Rund- und Flachrücken, falsch ausgeführte Trainingsübungen oder extremen Leistungssport.

Der Kinderrücken hat bei zu schweren Schulranzen zu schlucken – insbesondere, wenn er nur auf einer Schulter getragen wird. Häufig berichten auch frisch gebackene Mütter von Rückenproblemen – vor allem, wenn sie das Kleinkind oft und lange auf dem Arm halten.

Stress und Übergewicht

Ihre Haltung ist tadellos, Bewegung bekommt Ihr Körper genug, eine ergonomische Sitzposition ist für Sie Pflicht. Und dennoch haben Sie mit Rückenschmerzen zu kämpfen. Woran kann das nur liegen? Haben Sie schon einmal an Stress gedacht? Stehen Sie unter psychischer Anspannung, tun es auch Ihre Muskeln. Sie verkrampfen sich und fangen an, zu schmerzen.

Ein weiterer Übeltäter ist Übergewicht (Adipositas). Jedes zusätzliche Kilo belastet den Rücken zusätzlich. Im Umkehrschluss heisst das aber auch: Mit jedem verlorenen Kilo verliert der Rücken an Last. Er entspannt sich und die Schmerzen lassen nach.

Rückenschmerzen – was wirklich hilft

Rückenschmerzen – was wirklich hilft

Medizinisches Training (MTT)

Wer seinem Rücken etwas Gutes tun will, setzt auf Medizinisches Training, kurz MTT. Mit durchdachten Kräftigungs- und Stabilisierungsübungen baut es gezielt Blockaden im Bewegungsapparat ab. Das Ziel: Der Patient soll seinen “gesunden Zustand” zurückgewinnen. Mit vereinten Kräften arbeiten Physiotherapeut und Patient an der Belastbarkeit des Rückens, damit er seinen Alltag schon bald wieder schmerzfrei meistern kann.

Hierzu kommen ausgewählte Beweglichkeits-, Widerstands- und Koordinationsübungen am Gerät, auf der Vibrationsplatte oder dem Ergometer zum Einsatz. Auch freie Übungen mit kleinen Hilfsmitteln sind möglich.

Die manuelle Therapie (MT)

Als wahres Wundermittel bei Rückenschmerzen hat sich auch die manuelle Therapie (MT) bewährt. Speziell bei Verspannungen und Verhärtungen der Rückenmuskulatur versprechen die zielorientierten Handgriffe Linderung. Mit nichts weiter als der Kraft seiner Hände übt der Physiotherapeut Druck auf die angeschlagenen Partien aus. Die Nervenenden im Bindegewebe werden aktiviert, die Durchblutung kommt in Schwung, die angespannten Muskeln entspannen sich.

Medizinische Massage

Ein geschundener Rücken sehnt sich nach einer wohltuenden Massage. Doch Vorsicht: Massage ist nicht gleich Massage. Nicht mit jedem Angebot im Wellness- oder Fitnessstudio tun Sie Ihrer Kehrseite einen Gefallen. Auf der sicheren Seite sind Sie mit der medizinischen Massage vom Physiotherapeuten. Mit Druck und Zug regt er die Durchblutung der mitgenommenen Rückenmuskulatur an, beruhigt das Nervensystem, löst Verspannungen und steigert die Mobilität.

Stosswellentherapie

Eine gute Wahl bei chronischen Rückenschmerzen ist die Stosswellentherapie (shockwave). Das Therapiegeheimnis: mechanische, hochenergetische Stosswellen. Mithilfe eines Schallkopfes richtet sie der Therapeut direkt auf die Schmerzregion. Tief dringen die Impulse in den Behandlungsbereich ein, aktivieren die lokalen Stoffwechselprozesse, kurbeln die Durchblutung an und helfen der körpereigenen Reparaturkraft auf die Sprünge. Die Selbstheilungskräfte des Organismus kommen zum Vorschein.

Medical Taping (Kinesio)

Rein optisch wirkt Medical Taping alias Kinesio relativ unscheinbar. Doch je mehr man über das elastische Stoffpflaster weiss, desto interessanter wird es. Längst hat es sich als passiver Heilungshelfer durchgesetzt. Ob bei Verletzungen oder Entzündungen der Rückenmuskulatur – Medical Taping springt als Stabilisator ein. Dabei soll es das Leiden nicht aus eigener Kraft beheben. Vielmehr soll es dem Rücken dabei helfen, das Leiden zu beheben. Sanft setzt es seine Selbstheilungskräfte frei. Die Genesungszeit verkürzt sich.

Medical Taping kommt aber nicht nur als Kurzzeittherapie infrage. Auch auf lange Sicht gilt es als erfolgversprechendes Therapiekonzept. Dank seiner hohen Hautverträglichkeit und Wasserfestigkeit können Sie es problemlos über einen längeren Zeitraum hinweg am Rücken tragen.

Thermotherapie

Wärme tut verspannten Muskeln gut. Nicht ohne Grund raten Experten bei Rückenschmerzen oft zur Wärmetherapie. Schliesslich ist Wärme ein Multitalent:

  • Sie reduziert den Muskeltonus (Spannung)
  • fördert die Durchblutung
  • macht die Gelenkflüssigkeit geschmeidiger
  • baut die Elastizität des Bindegewebes aus
  • lindert den Schmerz

In den verschiedensten Formen wird Wärme therapeutisch eingesetzt:

  • heisse Moor- und Fangopackungen
  • Sauna, Überwärmungs- oder Dampfbad
  • Infrarotlicht oder Heissluftstrahler
  • Ultraschalltherapie

Rückenschmerzen – das können Sie selbst tun

Rückenschmerzen – das können Sie selbst tun

Rückenfreundlicher Arbeitsplatz

8 Stunden pro Tag verbringen Sie am Schreibtisch? Dann sollte Ihr Arbeitsplatz wenigstens ergonomisch sein. Das A und O beim gesunden Sitzen ist der richtige Bürostuhl. Am besten aufgehoben ist Ihre Kehrseite in einem orthopädischen Modell mit federnder Rücken- und Sitzfläche. Nicht Sie müssen nachgeben, Ihr Stuhl muss nachgeben. Nur so kann sich Ihr Rücken im Sitzen frei entfalten. Fehlt ihm dieser räumliche Spielraum, müssen Sie das Defizit über kurz oder lang mit Rückenschmerzen büssen.

Nur keine übertriebene Zurückhaltung

Viele Patienten wollen ihre Rückenschmerzen mit Bettruhe auskurieren. Gerade akuten Schmerzen versuchen sie mit einem strikten Bewegungsverbot zu begegnen. Doch das ist der falsche Weg. Wer sich bewusst stillhält oder gar die Bettruhe sucht, riskiert nur ein Chronischwerden, die sogenannte Chronifizierung.

Bewegung ist für die Genesung unverzichtbar. So ist keine übertriebene Schonung gefragt, sondern ein normales Bewegungspensum. Behalten Sie Ihre normalen Alltagsaktivitäten möglichst bei und legen Sie zwischendurch einen kurzen Spaziergang ein. Das lockert nicht nur die Rückenmuskulatur, sondern bringt auch noch die Wirbelgelenke in Gang.

Workout für zu Hause

Physiotherapie ist bei Rückenschmerzen Gold wert. Noch effektiver wird sie mit einem ergänzenden heimischen Workout. Erprobte Übungen wie zum Beispiel Kniebeugen, Armheber oder Mini-Crunshes feilen auch ausserhalb der Physiopraxis an der Flexibilität, Stabilität und Mobilität Ihres Rückens.

Doch Vorsicht: Führen Sie keine Übungen auf gut Glück aus. Holen Sie sich zuvor das Okay eines erfahrenen Physiotherapeuten ein. Gehen Sie mit ihm die Bewegungsabläufe mehrmals durch. So kann er sie rechtzeitig auf Bewegungsfehler hinweisen.

Belastung ja, aber die richtige

Heben, Bücken und Tragen ist selbstverständlich? Nicht unbedingt, auch die richtige Belastung will gelernt sein. Wer einen Getränkekasten mit durchgestreckten Knien ruckartig hochheben will, tut seinem Rücken damit keinen Gefallen. Er quetscht nur seine Bandscheiben keilförmig zusammen. Das Langzeitergebnis: Rückenschmerzen.

Lassen Sie es erst gar nicht dazu kommen. Am besten gehen Sie beim Heben und Abstellen immer vorsichtshalber in die Hocke und halten den Rücken dabei gerade. Beim Tragen sollten Sie die Last übrigens so nah wie möglich am Körper halten.

Viel trinken

Selbstverständlich können Sie Rückenschmerzen nicht einfach wegtrinken. Trotzdem empfehlen Experten eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr. Wer viel trinkt (mindestens zwei Liter pro Tag), ölt schliesslich seine Bandscheiben. Zuverlässig werden die kleinen Stossdämpfer mit Nährstoffen versorgt, ihre Elastizität nimmt zu.

Rückenfreundliche Ernährung

Nicht nur auf die flüssige, sondern auch auf die feste Nahrung kommt es bei der Rückengesundheit an. Muskeln, Gelenke, Knochen und Bandscheiben brauchen schliesslich jede Menge Nährstoffe, um ihrem täglichen Arbeitspensum ungestört nachgehen zu können.

Besonders dankbar sind sie für Fettsäuren, Kalzium, Magnesium, Bor, Selen, Zink und Fluorid. Genauso gehören Vitamine auf den rückenfreundlichen Speiseplan, allen voran Vitamin C, D und E.

Entspannen lernen

Sind die Rückenschmerzen stressbedingt, muss das Stresslevel sinken. Entspannungstechniken wie Yoga, Pilates, Autogenes Training, Meditation oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson helfen Ihnen dabei. Ob bei akuten oder chronischen Rückenbeschwerden – ein entspannter Rücken kann nie schaden.

Die Kraft der Natur

Auch der einen oder anderen Heilpflanze sagt man eine lindernde Wirkung nach. Speziell Kombipräparate aus Zitterpappel und Esche sollen sich positiv auf den Rücken auswirken. Eine Wohltat bei schmerzhaften Muskelverspannungen ist Capsaicin. Ob als Pflaster oder Salbe – der Scharfstoff mit Paprika steigert lokal die Durchblutung und schenkt der Behandlungsregion damit kostbare Wärme.

Sind die Rückenschmerzen Nervosität, Panik und innerer Unruhe geschuldet, kann Baldriantee helfen. Körper wie Geist tut seine beruhigende Wirkung gut.

Positiv denken

Körper und Geist stehen nicht für sich allein. Sie sind eine Einheit. So hat die psychische Gesundheit auch immer Einfluss auf die physische Gesundheit. Umso wichtiger ist eine positive Grundeinstellung.

Wer bei Rückenschmerzen gleich an Krebs denkt oder sich innerlich bereits auf ein von Schmerz geprägtes Leben einstellt, zögert die Genesung nur hinaus. Verzweiflung und Katastrophen-Denken sind bei Rückenbeschwerden tabu.

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