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Medizinische Trainingstherapie mit den richtigen Geräten durchführen

Medizinische Trainingstherapie mit den richtigen Geräten

Die medizinische Trainingstherapie (MTT) meint ein gezieltes Gerätetraining, das Erkrankungen und Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates therapiert. Sie stabilisiert die Gelenke und unterstützt die Rehabilitation angeschlagener Körperpartien. Die Belastbarkeit des Bewegungsapparates nimmt zu. So ist der Körper den täglichen Belastungen besser gewachsen.

Wie funktioniert die medizinische Trainingstherapie?

Voraussetzung für die medizinische Trainingstherapie ist ein umfassender, individueller Therapieplan, den es je nach Befund und körperlicher Fitness auf den Patienten abzustimmen gilt. Dieser wird von einem ausgebildeten Physiotherapeuten erarbeitet.

Die Übungen sind aber nicht nur patientenbezogen. Sie sind auch einfach und schnell zu erlernen. Die medizinische Trainingstherapie hat schliesslich ein Ziel vor Augen: Nach geraumer Zeit soll der Patient die Bewegungen selbstständig durchführen können. So kann er die Rehabilitation auch bequem von zu Hause aus unterstützen.

Medizinische Trainingstherapie – die 4 Phasen

Phase 1: Mobilisationstraining

  • Kraft-, Ausdauer- und Koordinationsübungen
  • Wahrnehmungsübungen
  • Informationsweiterleitung aus der Peripherie

Phase 2: Stabilisationstraining

  • Stabilitäts- und Haltungstraining
  • weitere Verbesserung der Beweglichkeit, Ausdauer, Koordination und Wahrnehmung
  • Vertrauen stärken in die eigene Belastbarkeit und Ausdauer

Phase 3: Funktionstraining

  • Reaktions- und Koordinationstraining
  • Kraft- und Ausdauertraining
  • fundierte Bewegungsschulung
  • Verbesserung von Funktionsdefiziten

Phase 4: Belastungstraining

  • Anwendung der antrainierten Eigenschaften für sport- und berufsspezifische Fähigkeiten
  • Koordinations- und Schnelligkeitsübungen
  • weiteres Kraft- und Ausdauertraining

Welche Ziele verfolgt die medizinische Trainingstherapie?

Die medizinische Trainingstherapie will die Leistungs- und Belastungsfähigkeit des Patienten verbessern. Um ihr Ziel zu erreichen, trainiert sie:

  • Haltung, Gleichgewicht, Koordination
  • Flexibilität
  • die allgemeine körperliche Ausdauer und Belastbarkeit
  • die Muskelkraft angeschlagener und nicht angeschlagener Körperpartien
  • Schnelligkeit

Welcher Geräte bedient sich die medizinische Trainingstherapie?

Ausdauer

Ausdauer hat bei der medizinischen Trainingstherapie Priorität. Umso wichtiger sind Trainingsgeräte, die die körperliche Ausdauer messen, wiederherstellen und steigern. Meist setzen Physiotherapeuten hierzu auf Ergometer, Laufbänder und Crosstrainer.

Das Hauptziel von Ausdauertraining wird oft missverstanden. Es strebt nicht nach maximaler Schnelligkeit oder maximaler Kraft. Vielmehr geht es um die reibungslose Ausführung von gängigen Alltagsbewegungen. Der Patient soll sie ungehindert und schmerzfrei ausüben können.

Isokinetik

Muskuläre Defizite an grossen Gelenken ermittelt der Physiotherapeut mithilfe der Isokinetik. Der Experte spricht auch von isokinetischer Leistungsdiagnostik. Vor allem bei Verletzungen an Knie, Schulter, Hüfte, Ellbogen sowie Hand- und Sprunggelenk kommt sie zum Einsatz.

Als Hilfsmittel zieht der Therapeut isokinetische Testsysteme heran. Zuverlässige Ergebnisse liefern insbesondere Zugapparate wie der Biodex oder Moflex. Mit höchster Präzision stellen sie die Muskelkraft und die Gelenkwerte des Patienten auf die Probe. Die Ergebnisse geben wertvolle Hinweise für die weitere Behandlung.

Haltung

Bei Haltungsschäden und Fehlhaltungen verordnet der Physiotherapeut ein Training mit sogenannten Schwingstäben. Hierbei handelt es sich um einen etwa anderthalb Meter langen Stab mit Gewichten an beiden Enden. Der Patient umklammert das Gerät und bringt ihn mit gezielten Handbewegungen zum Schwingen. Die Vibration aktiviert die tief liegenden Muskelgruppen im Oberkörper. Ein schnelles Wechselspiel aus Muskelanspannung und Muskelentspannung beginnt.

Gerade dem Rückenstrecker, den Schultern und dem Nackenbereich kommen die Bewegungen zugute. Die Schwingungen aktivieren die Wirbelsäule und stärken sie. Das wirkt sich positiv auf die Haltung aus. Selbst für das Bauchmuskeltraining kommen Schwingstäbe infrage.

Ein weiterer Bonus: Schwingstäbe sind das ideale Trainingsgerät für zu Hause. Sie nehmen nicht viel Platz weg und sind einfach anzuwenden. Nach kurzer Einleitung beherrschen Sie bereits die Grundlagen.

Gleichgewicht

Wie der Name schon verrät, handelt es sich beim Balancetraining um Gleichgewichtsübungen. Denn je besser unser natürlicher Gleichgewichtssinn, desto besser unsere Beweglichkeit im Alltag.

Speziell nach schweren Erkrankungen mit langen Bettphasen ist der Gleichgewichtssinn oft eingerostet. Der Patient fühlt sich müde, schlapp und wackelig auf den Beinen. Balancetraining macht ihn wieder fit.

Gute Ergebnisse liefert das Balancetraining auf beweglichem Grund. Ob auf einer Gelmatte, einem Schwingfeldtrainer oder einer Vibrationsplatte – der wackelige Boden fordert den Gleichgewichtssinn heraus. Ein netter Nebeneffekt: Die gesamte Beinmuskulatur kommt zum Zuge.

Gerätegestützte Krankengymnastik

Auch die gerätegestützte Krankengymnastik gehört zur medizinischen Trainingstherapie dazu. Trainingstische, Rumpfheber, Beinpressen oder Fusszugschlingen schulen unsere Kraft, Koordination Ausdauer und Beweglichkeit.

Selbstvertrauen

Die medizinische Trainingstherapie zielt nicht allein auf Kraft, Ausdauer und Koordination ab. Auch dem Selbstvertrauen hilft sie auf die Sprünge. Speziell in langen und kräftezehrenden Krankheitsphasen leidet unser Selbstbewusstsein. Wir verlieren das Vertrauen in unseren Bewegungsapparat. Schlimmstenfalls bilden sich Blockaden. Schon der Gedanke an bestimmte Bewegungen versetzt uns in Panik.

Therapeutisches Klettern stärkt unser Selbstbewusstsein. Der Physiotherapeut spricht von einem erlebnispädagogischen Effekt. Jeder kleine Fortschritt an der Kletterwand ist wie Balsam für die Seele. Wir wachsen über uns hinaus, entdecken unsere Möglichkeiten neu und steigern unser Körpergefühl. Wenn wir diese Herausforderung meistern, meistern wir auch die Herausforderungen des Alltags.

Für diese Krankheitsbilder bietet sich therapeutisches Klettern an:

  • neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson, Multiple Sklerose
  • Krebserkrankungen
  • chronische Schmerzen
  • psychologische Leiden wie ADHS, Autismus, Depressionen oder Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern

Wer verordnet eine medizinische Trainingstherapie?

Voraussetzung für eine medizinische Trainingstherapie ist eine fachgerechte ärztliche Verordnung. Diese setzt wiederum eine Erkrankung voraus, die der medizinischen Trainingstherapie würdig ist.

Zunächst macht sich der behandelnde Arzt mittels der Eingangsdiagnostik ein Bild von der aktuellen körperlichen Verfassung des Patienten. Mit ausgewählten Untersuchungen ermittelt er die Ursache für das Leiden. Verlangt die Diagnose nach einer medizinischen Trainingstherapie, verschreibt sie der Mediziner meist als Krankengymnastik am Gerät. Pro Verordnung stellt er dem Patienten 6 Einheiten à 60 Minuten aus. Bis zu 3 Verordnungen sind möglich.

Folgeverordnungen setzen eine erneute Untersuchung voraus. Ansonsten kann der Arzt die Weiterbehandlung nicht ausreichend begründen. Ist die Gesamtverordnungsmenge bereits erreicht und noch immer keine Linderung eingetreten, kann der Mediziner weitere Verordnungen ausserhalb des Regelfalls genehmigen. Die Krankenkasse muss diese allerdings zuerst genehmigen.

Wer darf die medizinische Trainingstherapie durchführen?

Nicht jedem Therapeuten ist die medizinische Trainingstherapie automatisch erlaubt. Sie erfordert eine spezielle Weiterbildung. Bedingung für die Zusatzqualifikation ist eine entsprechende Grundausbildung. Ärzte, Physiotherapeuten, Masseure, Gymnastiklehrer, medizinische Bademeister und Sportwissenschaftlicher mit Schwerpunkt Prävention und Rehabilitation bringen die nötigen Vorkenntnisse für die Weiterbildung mit. Absolvieren können sie die Ausbildung an verschiedenen Schweizer Instituten.

Die Schulung ist ein Mix aus Theorie und Praxis. Die Auszubildenden erlernen alle essentiellen theoretischen und praktischen Grundlagen, um eigenständig patientenspezifische und indikationsbezogene Trainingspläne erarbeiten zu können. Der Fokus liegt dabei auf Muskelphysiologie, Trainingslehre, Bindegewebe und Wundheilung.

Medizinische Trainingstherapie – in der Regelmässigkeit liegt die Kraft

Das wahre Erfolgsgeheimnis der medizinischen Trainingstherapie ist weder Effizienz noch Schnelligkeit. Es ist die Regelmässigkeit. Nur wer die Übungen wiederholt, bekommt sie auch deutlich zu spüren. Je öfter die Wiederholungen, desto deutlicher das Ergebnis.

Im Idealfall führt der Patient seine Übungen jede Woche aus. 52 Wochen im Jahr absolviert er sein Training. 2 Trainingstage pro Woche gelten als Optimum, 3 Trainingstage als Minimum.

Regelmässig bedeutet aber nicht nur Woche für Woche. Regelmässig bedeutet auch Jahr für Jahr. Der Patient führt das Trainingsprogramm stetig fort. Bestenfalls absolviert er es ein Leben lang. So hält er den Bewegungsapparat nonstop in Schwung.

Medizinische Trainingstherapie – wann ist der beste Zeitpunkt?

Der häufigste Vorbehalt gegen die medizinische Trainingstherapie ist Zeitmangel. Der Patient kann das Programm nicht adäquat in seinen Tagesablauf integrieren. Dabei nimmt es nur vergleichsweise wenig Zeit in Anspruch. Schon 90 Minuten pro Woche erzielen oder fördern eine überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit.

Mit Umziehen und Duschen entsteht ein minimaler Zeitaufwand von lediglich zweieinhalb Stunden pro Woche. Vergessliche Patienten tragen sich das Training am besten in den Kalender ein – wie einen Geschäftstermin.

Wer die Übungen zu Hause ausführt, kann sie mühelos mit anderen alltäglichen Tätigkeiten kombinieren. Ein wenig Bewegung beim Fernsehen, Bügeln oder gar Zeitung lesen tut dem Körper gut und beansprucht keine Extrazeit.

Die Tageszeit spielt dabei keine grosse Rolle. Experten raten allerdings zu einer gewissen Regelmässigkeit. Trainieren Sie immer zur selben Tageszeit, gewöhnen Sie sich schneller an die Übungen.

Eine Ausnahme: Patienten mit koronaren Herzkrankheiten sollten Ihre Übungen nicht auf frühmorgens verlagern. Die ersten zwei Stunden nach dem Aufwachen braucht der Körper besondere Ruhe und Entspannung.

Medizinische Trainingstherapie – regelmässige Kontrollen

Die medizinische Trainingstherapie bedient sich einfacher Übungen, die der Patient selbstständig zu Hause oder im Fitnessstudio weiterführen kann. Allerdings bedarf es bei dem selbstständigen Training regelmässiger Kontrollen vom Fachmann. Schleichen sich Fehler in die Bewegungsabläufe ein, lassen sie sich frühzeitig beheben.

Ein Kontrollbesuch alle zwei Wochen oder einmal pro Monat wäre übertrieben. Ein- oder zweimal im Jahr gilt als völlig ausreichend.

Medizinische Trainingstherapie – von der Antike bis zur Moderne

Schon in der Antike kam das Prinzip des Selbstübens in Umlauf. Impulsgeber war Soranos von Ephesos. Patienten mit Lähmungen riet der griechische Mediziner zu Gehversuchen mit einem kleinen Wägelchen – einer Art antiker Rollator. In einem Hindernisparcours sollten sie damit an ihrer Mobilität arbeiten.

Weiter ging die Entwicklung in der Renaissance. Im Jahre 1569 veröffentlichte Hieronymus Mercurialis das historische Werk “de arte gymnastica” – eine Hommage an die bemerkenswerten gesundheitlichen Auswirkungen der Gymnastik.

Auch der schwedische Dichter und Autor Pehr Henrik Ling setzte auf Gymnastik. Nach einer langen Europareise litt er an Rheuma und Paralysen. Erst ein intensives Fechttraining konnte die Symptome lindern. Nicht umsonst gründete er 1815 das gymnastische Central-Institut in Stockholm. Seine Übungen, besser bekannt als “die schwedische Gymnastik” prägten die Geschichte der Krankengymnastik.

Sein schwedischer Kollege Gustav Zander führte fort, was er angefangen hatte. 1870 gründete er weltweit die sogenannten Zander-Institute, Geräteparks mit verschiedenen gymnastischen Trainingsstationen. Nicht umsonst gilt Zander als Erfinder des Fitnessstudios und Wegbereiter der gerätegestützten Trainingstherapie.

Als deutscher Wegbereiter der modernen neurologische Rehabilitation geht Prof. Friedrich Schmieder in die Geschichte ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er in Gallingen am Hochrhein das “Sanatorium Schloss Rheinburg“. Hier entwickelte er sein ganzheitliches Therapiekonzept. Körper und Geist sind eine Einheit. Ist der Körper eingeschränkt, ist es auch der Geist. Bewusste Bewegung soll Körper und Geist wieder in Einklang bringen.

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